Die Watzmannsage: König Watzmann und seine steinerne Familie

Die Watzmannsage: König Watzmann und seine steinerne Familie

Vom Blick aus der Ferienwohnung bis zur Wanderung auf das Watzmannhaus

Wer bei uns am Kressgrabenlehen morgens die Vorhänge öffnet, begegnet dem Watzmann nicht erst auf einer Wanderung. Er ist einfach da: mächtig, unverwechselbar und je nach Tageszeit immer wieder anders.

Manchmal zeichnet sich seine Silhouette klar gegen den blauen Himmel ab. An anderen Tagen ziehen Wolken um seine Gipfel, oder die Abendsonne lässt die Felsen für wenige Augenblicke warm aufleuchten. Besonders von unserer Ferienwohnung Watzmannblick aus wird der berühmteste Berg des Berchtesgadener Landes zu einem stillen Begleiter durch den Urlaub.

Doch wer den Watzmann eine Weile betrachtet, entdeckt mehr als nur einen einzelnen Berg. Neben dem mächtigen Hauptmassiv erhebt sich der Kleine Watzmann, der auch als Watzmannfrau bezeichnet wird. Zwischen beiden lassen sich mehrere kleinere Felsspitzen erkennen: die Watzmannkinder.

Seit Generationen erzählen sich die Menschen im Berchtesgadener Land, dass diese steinerne Familie einst über das Land geherrscht habe. Und diese Geschichte gehört zu den bekanntesten Sagen unserer Region.

Eine Familie aus Fels

Der Watzmann ist mit seiner 2.713 Meter hohen Mittelspitze das Wahrzeichen Berchtesgadens. Ihm gegenüber steht der 2.307 Meter hohe Kleine Watzmann, den viele Menschen als Watzmannfrau kennen. Dazwischen liegen die markanten Felsspitzen der Watzmannkinder.

Der Sage nach hatte das Königspaar sieben Kinder. In der heutigen Bergsilhouette werden fünf der kleineren Erhebungen als eigenständige Gipfel erkannt. Besonders aus nördlicher und nordöstlicher Richtung wirkt das gesamte Massiv tatsächlich wie eine Familie, die nebeneinander über dem Berchtesgadener Talkessel thront.

Doch die Geschichte hinter dieser steinernen Familie ist keine friedliche.

Die markanten Felsspitzen der WatzmannkinderDie markanten Felsspitzen der Watzmannkinder – im Bild: Mein Ehemann Marcus Hirschbiel

 

Die Sage vom grausamen König Watzmann

Vor langer Zeit, so erzählt die Sage, herrschte in der Gegend ein König namens Watzmann. Er war gefürchtet, weil er weder Mitleid noch Rücksicht kannte. Seine größte Leidenschaft war die Jagd. Gemeinsam mit seiner Frau, seinen Kindern, seinen Knechten und einer wilden Hundemeute zog er durch Wälder, Felder und über Almen.

Dabei nahm die Königsfamilie keine Rücksicht auf die Menschen, die hier lebten. Felder wurden verwüstet, Tiere gehetzt und die Lebensgrundlage der Bauern zerstört. Auch die Kinder des Königs sollen nach seinem Vorbild zu Härte und Grausamkeit erzogen worden sein.

Eines Tages traf die Jagdgesellschaft auf eine Hirten- oder Bauernfamilie. Je nach überlieferter Variante unterscheiden sich die Einzelheiten der Geschichte. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass die königliche Hundemeute großes Unheil anrichtete und der König das Leid der Menschen nicht beendete.

Daraufhin wurde die Königsfamilie verflucht. Die Herrschaft des grausamen Königs sollte ein Ende finden und seine Taten nicht ungesühnt bleiben. Watzmann, seine Frau und ihre Kinder erstarrten zu Stein und wurden zu den Bergen, die noch heute über dem Berchtesgadener Tal stehen.

In manchen Fassungen der Sage heißt es zudem, das Blut der Königsfamilie sei ins Tal geflossen und habe den Königssee und den Obersee gebildet. Auch der Name des Großen Hundstods wird in der Überlieferung mit den Jagdhunden des Königs in Verbindung gebracht.

Natürlich erklärt die Sage nicht die tatsächliche geologische Entstehung der Berge und Seen. Sie zeigt aber, wie die Menschen früher versuchten, die eindrucksvollen Formen ihrer Landschaft in Geschichten zu fassen. Die bekannt gewordene Fassung wurde unter anderem im 19. Jahrhundert von Ludwig Bechstein in seinem „Deutschen Sagenbuch“ festgehalten; daneben bestehen mehrere regionale Varianten.

 

Wenn die Landschaft ihre Geschichte erzählt

Vielleicht ist die Watzmannsage gerade deshalb bis heute so lebendig, weil ihre Figuren tatsächlich in der Landschaft zu erkennen sind.

Wer den Watzmann vom Berchtesgadener Talkessel oder aus Schönau am Königssee betrachtet, kann nach dem König, seiner Frau und den Kindern suchen. Dabei verändert sich die Berggestalt mit jedem Standort. Manche Zacken treten deutlicher hervor, andere scheinen miteinander zu verschmelzen.

Gerade für Kinder wird aus dem Blick auf die Berge schnell ein kleines Suchspiel:

Wo steht König Watzmann?
Welche Bergspitze könnte die Watzmannfrau sein?
Und wie viele Kinder lassen sich heute erkennen?

Nach der Sage sieht man das Massiv mit anderen Augen. Aus Bergen werden Figuren, aus Felszacken wird eine Familie – und aus einem schönen Panorama wird ein Teil der Berchtesgadener Kulturgeschichte.

 

Dem Watzmann näherkommen

Den Watzmann vom Kressgrabenlehen aus zu betrachten, ist bereits ein Erlebnis. Wer gut trainiert ist und über Bergerfahrung verfügt, kann ihm während des Urlaubs noch deutlich näherkommen: bei einer Wanderung zum Watzmannhaus.

Das Watzmannhaus steht auf 1.930 Metern Höhe auf dem Falzköpfl, nördlich unterhalb des Hochecks. Die Alpenvereinshütte liegt mitten im Nationalpark Berchtesgaden und ist ein wichtiger Ausgangspunkt für alpine Touren im Watzmannmassiv. Sie ist aber auch selbst ein eindrucksvolles Ziel für eine anspruchsvolle Tageswanderung.

Für Gäste in Schönau am Königssee bietet sich vor allem der Aufstieg vom Parkplatz Hammerstiel an.

Das Watzmannhaus steht auf 1.930 Metern Höhe auf dem FalzköpflDas Watzmannhaus auf 1.930 Metern Höhe

Meine 3 persönlichen Lieblingsrouten am Königssee findet ihr übrigens hier…

 

Wanderung von Hammerstiel zum Watzmannhaus

Die Tour beginnt am Parkplatz Hammerstiel in Schönau am Königssee. Von dort führt der Weg zunächst auf einer breiten Forststraße durch den Wald in Richtung Schapbachalm.

Weiter geht es zur Stubenalm. Hier trifft der Weg aus Hammerstiel auf den Zustieg, der von der Wimbachbrücke in Ramsau heraufführt. Vorbei an der Lahneralm führt die Route weiter zur Mitterkaseralm.

Die Mitterkaseralm - Wanderung auf das WatzmannhausDie Mitterkaseralm – Wanderung von Hammerstiel zum Watzmannhaus

Bis hierher verläuft ein großer Teil des Weges auf breiteren Wirtschafts- und Wanderwegen. Ab der Mitterkaseralm verändert sich jedoch der Charakter der Tour: Der Weg wird schmaler und geht in einen Bergsteig über.

In zahlreichen Serpentinen führt der Steig hinauf zur Falzalm. Hier öffnet sich der Blick in das Watzmannkar und auf die umliegenden Felswände. Über Grashänge und eine Felsstufe werden schließlich die letzten Höhenmeter bis zum Watzmannhaus überwunden.

Die Tour auf einen Blick

  • Start: Parkplatz Hammerstiel, Schönau am Königssee
  • Ziel: Watzmannhaus auf 1.930 Metern
  • Strecke: etwa 15,4 Kilometer für Hin- und Rückweg
  • Höhenunterschied: rund 1.137 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
  • Anforderung: anspruchsvolle Bergwanderung, sehr gute Kondition notwendig
  • Weg: zunächst breite Wege, ab der Mitterkaseralm schmaler Bergsteig

Mein Rat: Betrachte die Wanderung als ausgedehnte Tagestour und plane für Aufstieg, Einkehr, Pausen und Abstieg großzügige Reserven ein. Das individuelle Tempo, die Wegverhältnisse und das Wetter können den Zeitbedarf erheblich beeinflussen.

Die Falzalm mit Watzmannfrau im HintergrundDie berühmte Aussicht: Falzalm mit Watzmannfrau im Hintergrund- nach ca 2 Std Gehzeit

 

Eine Tour für erfahrene und konditionsstarke Wanderer

Auch wenn der Normalweg von Hammerstiel technisch weniger schwierig ist als die alpinen Gipfeltouren am Watzmann, darf er nicht unterschätzt werden. Mehr als 1.100 Höhenmeter im Aufstieg und anschließend wieder im Abstieg verlangen Ausdauer, Kraft und Konzentration.

Zur Ausrüstung gehören feste Bergschuhe mit gutem Profil, ausreichend Getränke und Verpflegung sowie Sonnen-, Regen- und Wärmeschutz. Auch im Sommer kann sich das Wetter in den Bergen schnell verändern.

Vor dem Start solltest Du unbedingt den aktuellen Wetterbericht, die Wegverhältnisse und die Öffnung des Watzmannhauses prüfen. Ein früher Aufbruch schafft zusätzliche Zeitreserve und hilft dabei, die heißesten Stunden des Tages oder mögliche Nachmittagsgewitter zu vermeiden.

Bei Nässe, schlechter Sicht, Gewittergefahr oder unsicherer Wetterentwicklung sollte die Tour verschoben oder rechtzeitig abgebrochen werden. Der Deutsche Alpenverein weist ausdrücklich darauf hin, dass Touren am Watzmann häufig unterschätzt werden und gründliche Planung sowie eine realistische Einschätzung der eigenen Kondition entscheidend sind.

Olympiasiegerin Hilde Gerg auf dem Weiterweg vom WatzmannhausOlympiasiegerin Hilde Gerg am Weiterweg zum Hocheck – für erfahrene Wanderer

 

Das Watzmannhaus ist das Tagesziel

Das Erreichen des Watzmannhauses ist bereits eine große Leistung und ein wunderbares Bergerlebnis. Auf der Hütte angekommen, kannst Du die besondere Lage, die Aussicht und eine wohlverdiente Pause genießen.

Wichtig ist die klare Abgrenzung: Die hier beschriebene Wanderung endet am Watzmannhaus.

Der Weiterweg zum Hocheck ist eine hochalpine Unternehmung. Er führt über schroffes Gelände und teilweise gesicherte Passagen. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung sind dafür notwendig.

Noch anspruchsvoller ist die Watzmannüberschreitung über Hocheck, Mittelspitze und Südspitze. Sie verläuft über ausgesetztes Absturzgelände und ist ausschließlich erfahrenen, sehr konditionsstarken Bergsteigern bei sicheren Verhältnissen vorbehalten. Ein spontanes „Wir schauen einfach noch ein Stück weiter“ ist am Watzmann keine gute Entscheidung.

Olympiasiegerin Hilde Gerg auf der Terrasse am WatzmannhausHilde Gerg auf der Terrasse am Watzmannhaus

Informationen des DAV: Sicher auf den Watzmann

 

Die alpine Alternative: vom Königssee über den Rinnkendlsteig

Eine besonders eindrucksvolle, aber deutlich anspruchsvollere Route beginnt in St. Bartholomä am Königssee. Von dort führt der Rinnkendlsteig hinauf nach Kühroint und anschließend über den Falzsteig zum Watzmannhaus. Weitere Informationen dazu auch hier…

Diese Variante ist keine gewöhnliche Urlaubswanderung. Der Steig enthält ausgesetzte und mit Drahtseilen sowie Eisenstiften gesicherte Passagen. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, sehr gute Kondition und alpine Erfahrung sind zwingend erforderlich.

Für die Strecke von St. Bartholomä zum Watzmannhaus werden etwa 8,5 Kilometer, rund 1.290 Höhenmeter und ungefähr 5½ Stunden angegeben. Hinzu kommen die Schifffahrt über den Königssee und die weitere Tourenplanung. Die Route sollte deshalb als eigenständige alpine Unternehmung geplant werden – gegebenenfalls mit einer rechtzeitig reservierten Übernachtung im Watzmannhaus.

Für die meisten gut trainierten Urlaubswanderer ist der Normalanstieg von Hammerstiel die passendere Wahl.

 

Zurück am Kressgrabenlehen

Nach einem langen Tag am Berg führt der Weg wieder zurück nach Schönau am Königssee.

Vielleicht sitzt Du später auf dem Balkon, lässt die Beine ausruhen und blickst noch einmal hinauf zum Watzmann. Der Berg ist derselbe wie am Morgen – und wirkt doch plötzlich anders.

Du kennst nun nicht nur seine Silhouette und die Sage von der steinernen Königsfamilie. Du bist durch die Wälder und über die Almen an seinem Fuß gewandert, hast das Watzmannkar gesehen und bist dem mächtigen Berg bis zum Watzmannhaus nähergekommen.

Genau das macht einen Urlaub in den Bergen für mich so besonders: Manche Erlebnisse beginnen direkt vor dem Fenster.

In unseren Ferienwohnungen Watzmannblick und Jennerblick am Kressgrabenlehen findest Du einen ruhigen Ausgangspunkt für Deine Tage in Schönau am Königssee – und einen gemütlichen Ort, an den Du nach Deinen Ausflügen und Wanderungen gerne zurückkehrst.

Bis bald am Königssee!

Ferienwohnungen mit Herz in Schönau am Königssee lichst, eure Hilde